
Wenn ich an Rovinj denke, kann ich es nicht tun, ohne es
mit Baron Gautsch zu verbinden - einem der bezauberndsten
Schiffwracks am Mittelmeer. Für mich ist es undenkbar, einen
Ausflug nach Rovinj zu machen, ohne die Ehre dem Baron zu
erweisen, und kein Tauchgang in Rovinj kann nicht einmal
nahe dem Baron Gautsch sein.
Jetzt, als es Ihnen klar ist, dass mir Baron Gautsch sehr
gefällt, fragen Sie sich, was ihn so interessant macht. Im
Grunde genommen sind es zwei Motive: eine edle und gleichzeitig
tragische Geschichte und der Erhaltungszustand des Wracks.
Die
Geschichte
Der Baron Gautsch war ein Passagierschiff, das dem Österreichischen
Lloyd gehörte und die dalmatinischen Küste entlang zwischen
Süddalmatien und Triest fuhr. Wir sind in der Zeit des Weltkrieges
und der Baron fuhr oft außer Fahrplan und beförderte auch
viele Flüchtlinge, die die nicht mehr sicheren Gebiete der
Adria verließen.
Am 13. August 1914 gegen 10:00 lief der „Baron Gautsch“ aus
dem Hafen von Veli Lošinj aus. Die Ankunft in Triest war
gegen 18:00 vorgesehen. Das Schiff sollte sich auf hoher
See halten, um die von der österreichischen Marine selbst
minierte Meereszone auszuweichen.
Der Tag war schön, die See ruhig, aber wegen einer Übersicht
des Kapitäns (der nach Aussagen einiger Zeugen im Moment
des Schiffbruchs in einer schönen Gesellschaft in der Kabine
war) lief das Schiff ins Minenfeld.
Um 15:45 - BUUUM, das Schiff ging in nur einigen Minuten
unter: Von 300 Personen am Bord sind 130 an Ertränkung gestorben.
Schwer wurde die Mannschaft angeklagt, die sich fast völlig
rettete: Viele Rettungsboote wurden wegen schlechter Instandhaltung
nicht ins Meer heruntergesenkt, während die Rettungsringe
in Kasten verschlossen waren, weil man vermeiden wollte,
dass sie von Passagieren dritter Klasse während der Reise
als Kissen benutzt werden. Am Ende war die Mannschaft angeklagt,
sie habe an die Rettung eigener Haut statt an die Passagiere
(viele Frauen und Kinder) gedacht.
Das
Wrack
Der „Baron Gautsch“ liegt an 40 Meter Tiefe, noch immer
aufrecht und des Bugs am Kurs, den es vor dem Schiffsbruch
gerichtet hielt. Das, was den Tauchgang äußerst bezaubernd
macht, ist der Erhaltungszustand des Wracks. An ihm entlang
tauchend, ist es noch immer die Atmosphäre der „belle epoque“
fühlbar, die in dieser Zeit dort wohl anwesend war - Damen,
die auf der Brücke spazierten; Geschäftsleute, die sich nach
dem Mittagessen mit Cognac und Pfeifen versehen im Rauchersaal
aufhielten. Spannung und Panik, von denen die Passagiere
in den Momenten vor dem Unglück ergriffen wurden, sind ebenfalls
vorstellbar.
Möglichkeiten der Tauchgäge sind verschieden, von jenen
äußeren, mittleren Schwierigkeitsgrades (aber trotzdem handelt
es sich um Tieftauchen mit Abstieg ins Blaue), bis zur technischen
Erkundung des Schiffsinneren. Teilweise ist das Eindringen
ins Innere des Wracks auch möglich, die oberen Brücken sind
nämlich der Verwüstung ohne größere Schwierigkeiten überlassen.
Die einzige Begrenzung ist die zeitliche, nämlich beim Bleiben
ohne Luft ist es unmöglich, um das Wrack in einer sicheren
Kurve herum zu tauchen. Da aber der interessanteste Teil
gerade die Spazierbrücke ist, die sich auf etwa dreißig Meter
befindet, ist das - falls Sie über ein Nitrox Patent verfügen
- das richtige Moment, es zu nutzen.
Der Tauchgang
Die Taucher in Rovinj begrenzen sich darauf, Sie zum Punkt
des Tauchgangs zu bringen, so dass es Ihnen überlassen ist,
den Tauchgang selbst für sich zu planen.
Der Tauchgang,
den ich mag, ist der folgende:
Ich tauche der Bojeleine entlang, die mich zum Dach des Wracks
bringt, und dann richte ich mich nach dem Bug; in diesem
Moment gefällt es mir, ein wenig wegzurücken, mich umzudrehen
und einen umfassenden Blick auf das Wrack zu werfen: das
Bild entzückt mich jedesmal, der Baron sieht mir aus, als
ob es noch immer schiffen und mit seinem gezackten Bug die
Wellen schneiden würde. Dann fange ich an, dem backborden
Perimeter des Wracks entlang vorüber zu schwimmen (vom Bug
blickend, schwimme ich nach rechts), mich leicht etwas unterhalb
der Spazierbrücke haltend, mit einer Fackel einen prüfenden
Blick durch jede Fensteröffnung ins Schiffsinnere werfend,
fast in der Hoffnung, ich werde die uralten Geheimnisse ergreifen.
Wenn ich fast zum Heck komme, steige ich ein bisschen hoch
und dann in den überdeckten Teil der Spazierbrücke herein
und ich kehre der entgegengesetzten Seite des Wracks entlang
zurück. Falls Sie sich ein Vergnügen des Abstiegs zur 40-Meter-Tiefe
machen wollen, um die Schrauben zu sehen (nicht in EANX32
machen), merken Sie, dass Sie wegen dieser Tätigkeit die
letzten gebliebenen Minuten auf der Sicherheitskurve verlieren
werden.
Heute ziehe ich doch vor, unter dem überdeckten Teil der
Spazierbrücke zu bleiben und der entgegengesetzten Seite
des Wracks entlang zurück zu schwimmen. In diesem Moment
müssen Sie sich beeilen, falls Sie ohne Luft bleiben, da
die Sicherheitskurve am Auslaufen ist. Falls Sie aber im
EANX32 tauchten, dann grüßen Sie Ihre Kollegen in ARA und
machen Sie es weiter...
Bis Steuerbord des Wracks also gelangend, kann ich normalerwiese
nicht vorübertauchen, ohne auch ins Innere des Hauptsalons
hinein zu schwimmen, obwohl ich Ihnen empfehle, sich auf
das Obergeschoss zu begrenzen (siehe Karte), damit ich Ihnen
das Leben nicht kompliziere und damit die Grenzen der Toxizität
von Sauerstoff nicht überschritten werden, im Falle, dass
Sie bereicherte Mischungen benutzen.
Nach der Erkundung des Inneren kehre ich zur Promenade zurück
und führe, mich die ganze Zeit innerhalb des Schiffes haltend,
zu dem Bug fort. In der Höhe der Komandobrücke gelangend,
fange ich das Aufsteigen an, setze mich noch auf den Dach
der Komandobrücke hin und schicke einen letzten Blick in
Richtung des Bugs, der von dieser Höhe dem Titanic sehr ähnlich
aussieht; einen letzten Blick hinter mich um die Stelle,
wo die Schornsteine zu sehen waren, und Aufwiedersehen, Baron,
bis zum nächsten Tauchgang...
Denjenigen, die mehr über die Geschichte und Entdeckung
erfahren möchten, rate ich „Die letzte Reise von Baron Gautsch“
zu lesen, des Autors Pietro Spirito (Herausgeber: Lint, Triest).
Ich garantiere Ihnen, nach dem gelesenen Buch bekommt der
Tauchgang eine ganz besondere Stimmung...
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